Archiv der Kategorie 'Wunderwelt der Psychoanalyse'

Spaß mit Kot

Was ist denn der Ekel? Eine Schutzreaktion, die wir in uns entwickeln, um den Forderungen der Zivilisation Genüge leisten zu können. Das Kind hat z.B. ursprünglich gegen seine Exkremente gar keine Abneigung, es spielt gerne mit ihnen. (Hier hat sogar wahrscheinlich die bildende Kunst eine ihrer Wurzeln.) Die Erziehung zur Zivilisation ist aber die zur Reinlichkeit. Das Kind spielt mit Schokolade, es macht sich schmutzig; es spielt mit Sand und macht daraus Figuren. Durch viele Stufen hindurch entwickelt sich gegen den verbotenen Gegenstand eine übermäßige Abneigung, die wir Ekel nennen. […] Dazu kommt, daß das Verbotene in den Phantasien des Kindes wiederkehrt, ebenso wie in den Phantasien des Erwachsenen. […] Genau wie wir, die schlechten Gerüche nicht mögen, aber wenn wir nicht gänzlich verdorben sind, doch in einer gewissen Weise die schlechten Gerüche wieder zulassen, wie etwa beim Blumenkohl oder Käse. Es gibt viele Gerüche, die sozusagen nicht ‚gentleman-like‘ sind, die aber akzeptiert werden, weil da instinktmäßig etwas Positives für sie geblieben ist.1

Interessant, interessant. Und was sagt mir das jetzt als Mensch mit einer starken Aversion gegen jegliche riechenden Käsesorten. Zu stark ausgeprägte/unterdrückte anale Phase?
Fragen, die die Welt bedeuten.

  1. Horkheimer, Max (1963): Persönlichkeit und Vorurteil. In: Karsten, Anitra (Hg.): Vorurteil. Ergebnisse psychologischer und sozialpsychologischer Forschung. Darmstadt 1978, S.247-260. [zurück]

Mit Freud in die Feuchtgebiete oder so ähnlich…

In diesem Rückzug auf den eigenen Körper aus einer als unbefriedigend erlebten Umwelt, hier die Familienverhältnisse, auf die Helen keinen Einfluss hat und in der sie nichts bewirken kann, sehe ich einen der Gründe für den Erfolg des Romans. Er trifft offenbar einen Nerv und bietet einen Entwurf an, wie man frustrierenden (gesellschaftlichen) Verhältnissen begegnen kann. Der eigene Körper wird als Insel für Befriedigungen vorgeschlagen, die man buchstäblich selbst in der Hand hat, wenn – wie Helen sagt – alles sinnlos ist und man nichts kontrollieren kann. Dieser Entwurf schlägt allerdings nichts anderes vor als der Schönheits- und Hygienekult auch, gegen den der Roman angetreten ist. Er idealisiert den Rückzug auf den (schmutzigen) Leib, jener den auf den (hygienisierten oder künstlich geschönten) Körper.

(via beatpunk)

Irgendwie bin ich nach dem Text aber auch kein Stück schlauer, ob man das nun gelesen haben sollte oder nicht…ich lass es vorerst einfach mal bleiben. :o