Deutsche Gründlichkeit

»Carsten meint: (13.9.2009 um 00:39)
[…]
Wenn ich die nonverbale Kommunikation im Video richtig deute lief es etwa so ab:
- Polizist „A“ und Radfahren reden.
- Im Hintergrund schubbst ein Polizist einen Passanten rabiat nach links.
- Polizist „A“ zeigt nach links (0:15, mit dem ganzen Arm) und sagt etwas.
- Radfahrer schreibt auf den Zettel, Polizist „A“ redet weiter auf ihn ein.
- Zwischen 0:20 and 0:25 sind Aussagen wie „die Strasse ist jetzt gesperrt“ und „Strasse raeumen“ zu hoeren.
- (Passanten im Bild.)
- Radfahrer geht nach rechts (wieder von uns aus gesehen), Polizist „A“ laesst langsam den Arm sinken und schaut ihm hinterher.
- Polizist „B“ laeuft hinter dem Radfahrer her und faengt an ihm am Shirt zu ziehen. Der Radfahrer stolpert/fluechtet/erschrickt rueckwaerts, Polizist „B“ greift nach, lautes Rufen der Passanten beginnt. (0:30)
- Weitere Passanten greifen ein, weitere Polizisten greifen ein.
- Handgemenge. Bei 0:35 ist links deutlich zu sehen wie Polizist „C“ (Rueckennummer 2212, koennte auch „A“ sein, kann ich nicht erkennen) mit harten Faustschlaegen frontal ins Gesicht des Fahrradfahrers schlaegt. Polizist „C“ schlaegt ebenfalls sofort im Anschluss auf Passant „P“ (doppelte weisse Schulterstreifen), der mitten im Pulk dem Fahrradfahrer zur Hilfe kommt, an ihm zieht.
- Bei 0:55 kommt Passant „P“ zur Kamera, er blutet an der Nase.
- Passanten beginnen „Wir sind friedlich was seit ihr“ zu rufen. Polizisten ziehen sich zwischen die Fahrzeuge zurueck.

[…]

Von der anderen Seite her ist aber auch das Eingreifen der Passanten zu kritisieren. Bei sowas filmt/fotografiert man aus sicherem Abstand oder macht zumindest Notizen (Rueckennummern, Uhrzeit, Ablauf), aber man greift nicht physisch ein! Solches „zur Hilfe kommen“ wie durch Passant „P“ laesst die Situation zwangslaeufig eskalieren da es bisher unbeteiligte Polizisten quasi dazu zwingt Partei zu ergreifen, und das kann aufgrund ihres Trainings nur die der bereits involvierten Polizisten sein. Im Ergebnis heisst es dann im Bericht das „hartes Eingreifen“ notwendig gewesen sei um eine Gefaehrdung der Polizisten abzuwenden. Na super. :-(«
[Hervorhebung von mir]

(via)
Merke: Wenn neben mir bei einer Demo jemand von den Bullen verprügelt wird, greife ich NICHT ein, sondern entferne mich und filme das ganze mit Sicherheitsabstand (vermutlich damit die Bullen beim Prügeln nicht gestört werden)…oder schreibe halt akribisch auf, was in dem Video passiert ist.
Es geht nebenbei bemerkt um diese wunderbare Dokumentation deines Freund und Helfers im Einsatz:

freiheit statt angst / freedom not fear – demo 12.09.2009 from Gerd Eist on Vimeo.


4 Antworten auf “Deutsche Gründlichkeit”


  1. 1 tee 14. September 2009 um 0:30 Uhr

    das zu filmen bringt tatsächlich mehr als einzugreifen und selbst schläge und anzeigen zu kassieren, da brauchst du gar nicht so rumzuironisieren. es sei denn natürlich du hast genügend leute da, die sich mit dir zusammen auch gegen die bullen stellen. zugegeben, die militante masse dort im video konnte es ja fast rumreissen. knapp.

  2. 2 kuchen 14. September 2009 um 0:40 Uhr

    Ich habe das bewusst allgemein formuliert, um die allgemein formulierte Aussage des Kommentators im law-blog zu kommentieren.
    Das die selbsternannten Nerds da nicht eingreifen, um ihre schönen HD-Kameras nicht zu zerstören, ist mir auch klar, ist mir auch recht egal, ob die das tun. Aber dann rumzuweinen, wenn tatsächlich mal wer eingreift, auch wenns in dem Fall aussichtlos war, find ich recht daneben und – ja, schlimmes Wort – ziemlich unsolidarisch gegenüber der Person, die es getan hat; so nach dem Motto „ätsch, selber schuld, hättste mal wie wir nur mit deiner coolen HD-Kamera rumgefuchtelt“. Deshalb erlaube ich mir auch mal rumzuironisieren.

  3. 3 tee 14. September 2009 um 1:51 Uhr

    „ziemlich“ ist ein schlimmes wort? na nehm‘ ich dir nicht übel.

  4. 4 kuchen 14. September 2009 um 9:07 Uhr

    Na Gott sei Dank, alles andere hätte mir auch den Schlaf geraubt.

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