Zitat des Tages (I)

»Es gibt ein Bild von Klee, das Angelus Novus heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muß so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, daß der Engel sie nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm.« (Walter Benjamin, Über den Begriff der Geschichte)


3 Antworten auf “Zitat des Tages (I)”


  1. 1 Hansinger 13. Januar 2009 um 19:50 Uhr

    Die ewige Wiederkehr des Gleichen: Geschichte ist nicht finalistisch, es gibt keinen Fortschritt und kein Ziel.
    [Friedrich Nietzsche]

  2. 2 kuchen 14. Januar 2009 um 0:54 Uhr

    Falls das eine Kritik am Zitat von Benjamin sein soll: Behauptet er auch nicht. :o

  3. 3 Hansinger 14. Januar 2009 um 8:35 Uhr

    Was heißt kritik, eher eine andere kurzgefasste Sichtweise.

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