Elitäre Verblödung (II)

Also manchmal, vor allem wenn ich Texte von selbsternannten Liberalen lese, bin ich doch geneigt zu fragen, ob das insistieren der GSP-Jünger auf die Reinheit des wahren Arguments nicht doch irgendwo seine Berechtigung hat.
So lese ich gerade einen Text eines gewissen Bernd Hoenig, der wohl versucht den Unterschied zwischen einer sich als frei sehenden Person im (real-existierenden) Sozialismus und einer sich als frei sehenden Person in der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft darzustellen bzw. viel eher diesen Unterschied zu konstruieren. Das beginnt dann direkt mit einem recht interessanten Ausschlussverfahren:

Ob der Mensch frei geboren sei oder einem umfassenden Determinismus unterworfen, wollen wir getrost der Neurologie, der Psychologie und der Theologie überlassen.

In Dem Zusammenhang wohl die relevante Frage, aber nun gut. Warum er die Frage allerdings der Neurologie, Psychologie oder Theologie überlassen will, dann aber direkt 2 Absätze später Küchentischpsychologie par excellence heraushat, bleibt mir ein Rätsel:

Wenn man einen treuen Staatsbürger auf der östlichen Seite des Eisernen Vorhangs befragte, ob er sich frei fühle, dann antwortete dieser, mit einer gewissen Renitenz, denn als aufgeweckter Zeitgenosse spürte er trotz seiner Loyalität die Unaufrichtigkeit seiner Antwort, dass er sich natürlich frei fühle, obwohl er es in seinem totalitären System nicht war.

Gibts da auch noch eine Erklärung, warum dieser aufgeweckte Zeitgenosse sich der Unaufrichtigkeit seiner Antwort bewusst ist oder nimmt man das nur apriori an, damit die „Argumentation“ überhaupt irgendeinen Sinn ergibt und nicht von vornherein in sich zusammenbricht?

Damit man dann auch direkt sieht, woher der Wind weht, muss natürlich noch das Steckenpferd des Liberalen ausgepackt werden, der Antikommunismus (welcher scheinbar sowieso den einzigen Sinn des Textes darstellt):

Die ersten sozialen Revolutionäre, die die Masse des Volkes auf dem Wege zur Macht mitreißen konnten, waren tragischerweise die Nationalsozialisten, die die jungen, zaghaften demokratischen Freiheiten schnell und erbarmungslos einkassierten. Das Feindbild, dass sie mit den Kommunisten, ihren Brüdern im Geiste, teilen, weist vor allem vier Konstanten auf: die Juden, Amerika, Demokratie und Freiheit.

Wobei ich mich immernoch frage, ob das nicht eher in die Kategorie „dummdeutsches Rumgeweine und Opfergepose“ fällt. „Keiner mag Deutschland, dabei haben die das doch auch gemacht…wääääääh *mit dem Finger zeig*“

Und genau in dem Moment, wo man noch Hoffnung hat, dass doch jetzt tatsächlich die Argumente kommen…huch…da ist der Text auch schon wieder vorbei. Kein Wort darüber, warum denn jetzt „der Ossi“ lügt, kein Wort darüber, warum „der Wessi“ jetzt wirklich frei ist…nichts. Natürlich wird im letzten Absatz nochmal die ganze Palette an liberalem Blabla abgespult: Staatsfetisch, Gleichheitsgefasel, zivilisatorische Errungenschaften, die es zu verteidigen gilt gegen allerlei Links-, Rechts-, Mitte-, Oben- und Untenradikale etc. pp.. Langsam verstehe ich auch, warum so viele Antideutsche auf die liberale Schiene abdriften: Da ist die Welt noch so richtig einfach.