Archiv für Dezember 2008

Autoritätshörigkeit

»Anstelle von Experiment und Beobachtung war nicht selten das ‚Prüfkriterium‘ die Übereinstimmung einer Hypothese mit den Schriften einer akzeptierten Autorität, sei es die Bibel, der Koran oder die Werke von Aristoteles. Dies galt auch für naturwissenschaftliche Hypothesen, wie die von Watzlawick, Weakland und Fisch berichtete Anekdote illustriert: ‚Im 13. Jahrhundert versuchte die Universität von Paris das Problem, ob Öl in einer kalten Winternacht gefriert, durch Nachschlagen in den Schriften Aristoteles‘ zu lösen, statt einfach festzustellen, wie sich wirkliches Öl unter diesen Umständen wirklich verhält.‘« (Diekmann, Kai (1995): Empirische Sozialforschung. 19. Aufl., 2008, S.64)

Nebenbei bemerkt bin ich echt überrascht von dem Schinken. Eine nicht vollkommen staubtrockene Einführung in die Methoden empirischer Sozialforschung mit anschaulichen Beispielen; hätt ich nicht erwartet, dass es sowas gibt.

Der Nationalsozialismus und seine demokratische Bewältigung

»Auch für sie [Helma Orosz, Oberbürgermeisterin Dresdens; kuchen] scheint die Anzahl der Toten eine untergeordnete Rolle zu spielen. ‚Durch die Arbeit der Kommission bekommen die Opfer ein Gesicht und einen Namen. Hinter jedem einzelnen Opfer steht ein Schicksal und unendliches Leid und diesen gilt es zu Gedenken.‘ In dieser fortschreitenden Personalisierung des Gedenkens im Sinne des Trauerns will Dresden also offenbar keinen Unterschied mehr machen: jedes einzelne Opfer bedeutet unendliches Leid – und da ist es egal, ob es sich nun um einen SS-Offizier, einen Waffenfabrikanten, einen Soldaten oder eines der wenigen in Dresden noch lebenden halbjüdischen Kinder handelt. Als Opfer sind alle gleich, davon ist man beim Dresdner Gedenken tatsächlich bis heute überzeugt.« (Ehl, Sylvia: Das Dresdner Finale. In: Phase 2 ~30. Die F-Skala. Zur Relevanz des Faschismus. Ausg. 30, 2008)

Aus einem Artikel in der neuen Phase 2 zur Historikerkommission in Dresden über die allierten Luftangriffe im 2. Weltkrieg.

Lustige Gesell_innen

Durchsage im metronom von Hamburg nach Uelzen (in Hamburg):

Wenn die zwei Liebenden in Wagon 2 sich dann endlich voneinander trennen können, könnte der Zug auch planmäßig abfahren.

Sowie bei der Einfahrt in Uelzen:

Meine Damen und Herren, in Kürze erreichen wir Uelzen. Dieser Zug endet dort. Schade, aber alles hat nunmal ein Ende, nur die Wurst hat zwei.

Scheint wohl so, als ob es doch noch Zugbegleiter_innen gibt, die gut drauf sind.

Der Mahmud will doch nur spielen…

Eigentlich ist man es ja mittlerweile gewöhnt, dass sich allerortens mit dem Iran verbrüdert wird und vor allem beim alten Mahmud gerne mal die Worte solange im Mund gedreht werden, bis am Ende tatsächlich herauskommt, dass Israel gar nicht vernichtet werden soll. Eine sehr interessante Interpretation der Sachlage (oder Wortlage) habe ich gerade bei einem Blogsportkollegen gelesen:

Er -der staatschef dem unterstellt wird er wolle israel vernichten obwohl jede seriöse übersetzung seiner besagten rede deutlich macht, dass er von einem übergang israels in eine andere staatsform die vergleichbar mit dem übergang der udssr zu russland profunde soziopolische und ökonomische veränderungen mit sich brächte meint- sprach kritisch über die Okkupation souveräner Staaten, kritisch über Aggression von Staaten anderen Staaten gegenüber und wie sollte es anders sein: kritisch zu den USA. Jesus paraphrasierend. [Hervorhebung von mir; kuchen]

Ich hoffe persönlich immernoch, dass das nur ein schlechter Scherz ist und ich die Ironie aufgrund meines anhaltenden Katers und Schlafmangels nicht entdecke, ansonsten bleibt einem eigentlich nur übrig, den relativ guten Artikel von lizas Welt dazu rauszukramen, denn wie hat eben zitierte Person selber festgestellt:

Das Sachliche und Stichhaltige ist immer gut zu goutieren. Egal aus wessen Küche es kommt. Nur Stichhaltig muss es sein.

Na denn, wohl an: Ahmadinedjad, recht verstanden.

Und jetzt auf nach Hause!

Heute: Familienweihnachtsfeier

Highlight der Veranstaltung:
Der Hund meiner Großeltern hat seinen Kauknochen im Ganzen verschluckt und beim Versuch diesen wieder hochzuwürgen, seinen gesamten Mageninhalt im Wohnzimmer verteilt.

Großartig!

Herr, lass es Hirn vom Himmel regnen (2)

Wenn die Bundeszentrale für politische Bildung Propaganda betreibt, kann man eigentlich schon davon ausgehen, dass es lächerlich wird. Wenn sie dann noch versucht ganz subtil – in Form eines Interviews eines angeblichen Aussteigers – die sicherlich kritisierenswerte Antifa zu denunzieren, kann man davon ausgehen, dass es für Lacher sondergleichen sorgen wird:

Krawall und Remmidemmi?1

Adrian B. war 14 Jahre alt, als er bei seiner ersten Antifa-Demo mitmarschierte. Mit Julia Rotenberger spricht er über Krawalle, linksextremistische Dresscodes und die Gründe seines Ausstiegs aus der Szene.

Adrian, ein Jahr lang warst du Mitglied einer Hamburger Antifa-Gruppe. Wie hast du dich gefühlt?

Am Anfang haben mir die Demos großen Spaß gemacht. Für mich waren sie ein großer Egoschub, ich fühlte mich stark in der Masse. Ich fühlte mich eben wie jemand, der die Welt verändern kann.

Verfolgte die Gruppe durch die Demonstrationen konkrete politische Ziele?

Die Ziele waren oft nur grob umrissen. Meist fanden die Demos ohne ein konkretes Ziel statt, aber aus konkretem Anlass. Zum Beispiel als spontane Gegenaktion zu einem Nazi-Aufmarsch. Anfangs hatte ich schon das Gefühl, in der Antifa bestimmte politische Ziele zu verfolgen. Wir wollten die Leute über die rechte Szene aufklären. Mittlerweile weiß ich, dass dort meistens bloße Gewalt ohne politischen Hintergrund herrscht.

Heute distanzierst du dich von der Antifa. Was hat dich damals zum Beitritt bewogen?

Was mich damals beeindruckte, war die Brutalität, der Radikalismus und die Durchsetzungskraft der Antifa. Innerhalb der Organisation herrschte ein starker Zusammenhalt, es gab keinen Verrat. Wir waren wie eine große Familie.

Wie ist die Organisation strukturiert?

Es gibt einen festen Kern von etwa zehn Leuten, die sich aber nicht zeigen. Ich habe gehört, dass diese sich auch in der rechten Szene bewegen. Sie informieren andere Antifa-Aktivisten über die Aktionen, die von den Rechtsextremisten geplant werden, und organisieren Gegenschläge. Die offizielle Arbeit, wie das Verteilen von Flyern bei angemeldeten Demos, wird von Leuten übernommen, die noch nicht polizeilich auffällig geworden sind.

Gibt es Regeln, um bei einer Antifa-Aktion teilnehmen zu können?

Du musst Mitglied sein. Ein vermummtes Gesicht ist Pflicht und du musst auch bestimmte Farben tragen: Schwarz und Rot. Außerdem kriegt jeder die Telefonnummer eines bestimmten Anwalts, den er anrufen soll, wenn er von der Polizei festgenommen wurde.

Wo siehst du die Antifa im politischen System?

Nirgendwo. Die Antifa ist ein System für sich. Durch die Parteien fühlen sich die meisten Mitglieder nicht vertreten. Eigentlich glauben sie, die Einzigen zu sein, die etwas gegen Rechtsradikalismus unternehmen. Sie sind wütend auf den Staat, weil sie glauben, dass er zu lasch mit den Rechten umgeht. Deswegen richtet sich die Antifa nicht nur gegen Rechtsradikale, sondern auch gegen den so genannten Polizeistaat. Oft setzen die Mitglieder Polizisten mit Faschisten gleich. Überhaupt sind Hass und Angst vor der Polizei die zwei tragenden Säulen der Antifa.

Spiegelt sich diese Einstellung in der Ideologie der Antifa wieder?

Die Antifa folgt keiner klar definierten Ideologie: Irgendwie ist es ein Mix aus allem. Als Vorbilder dienen historische Figuren wie Marx, Lenin oder Che Guevara. Dabei ist das Charisma der Figur entscheidend, nicht nur die Ideen, die sie vertreten hat.

Was war nach einem Jahr der Anlass für deinen Ausstieg?

Das Hamburger Schanzenfest 2005. Es gab heftige Krawalle. Polizisten wurden verletzt. Als ich dann in dem ganzen Tumult die Polizei mit den Wasserwerfern sah, fragte ich mich, was wir eigentlich mit all den Protesten erreichen wollten. Mir wurde klar, dass sie nichts bringen. Als Linker muss man vor allem tolerant sein und auch konservativere Einstellungen dulden. Bei der Antifa ist das aber nicht der Fall. Sie duldet keinen Widerspruch.

Linksextreme Bewegungen in in Deutschland Bewegungen, die der Verfassungsschutz als linksextrem einstuft, wenden sich gegen die Gesellschafts- und Staatsordnung der Bundesrepublik Deutschland. Dazu gehören beispielsweise die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) oder die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD).

Die meisten verbinden Linksradikalismus mit den traditionellen Krawallen in der Nacht zum ersten Mai und regelmäßigen Ausschreitungen bei Aufmärschen Rechtsradikaler. Diese werden vor allem von autonomen
Gruppen wie der Militanten Gruppe (mg) oder der Antifa organisiert.

Antifa ist die Abkürzung von Antifaschistische Aktion. Die Antifa ist in mehreren lokalen Gruppen organisiert, vor allem in großen Städten wie Berlin und Hamburg. Laut Aussagen ehemaliger Mitglieder hat sich die Antifa in den vergangenen Jahren zunehmend radikalisiert.
(Marcel Stuht)

(via)

Herrlich.

  1. http://ignaz.blogsport.de/images/ZeitungPolitikOrange.pdf [zurück]

Herr, lass es Hirn vom Himmel regnen!

Dahinter stehe ein Versuch des Menschen, sich von der Schöpfung zu emanzipieren, sagte Benedikt XVI. Die Gender-Theorie stelle die „Natur des menschlichen Wesens als Mann und Frau“ in Frage.1

Irgendwie schon peinlich, wie man so grenzdebil Oberhaupt einer der größten Religionen dieses Erdballs werden kann. Vermutlich ist es einfach notwendige Bedingung. Aber Gratulation an den Papst, hat er doch tatsächlich herausgefunden, was der Anspruch der meisten „Gender-Theorien“ ist.

  1. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,598264,00.html [zurück]

Frohe Weihnachten!

Die Kinder lieben ihn einfach…

den guten alten Weihnachtsmann…

…nur einer will sich nicht so recht darüber freuen…

…ich auch nicht!

»Crashkurs für linke Theorieposer und solche, die es werden wollen«

Die Dialektik:
Er will zum Döner und du zur Bratwurst, ihr trefft euch bei der Zuckerwatte. Aus zwei gegensätzlichen Auffassungen entwickelt sich die nächsthöhere Erkenntnisstufe. In der Gesellschaftstheorie heißt das »Dialektik«. Für einige Stränge linker Theorie ist die Dialektik die Rolltreppe zu Erlösung. Diese steht aber noch aus. Deswegen schwören andere auf:

das Rhizom!

Metapher für ein Denken, dass sich nicht mehr um den Baum der Erkenntnis dreht, sondern in unendlicher Mannigfaltigkeit ziellos in alle Richtungen wuchert. Das Handbuch zur Rhizomatik trägt den Titel »Tausend Plateaus« und wurde Gilles Deleuze und Felix Guattari verfasst. Im rhizomatischen Denken gelten Erkenntnis und Sinn als »out«, Vernetzung und Formenvielfalt sind »in«. Begriffe wie »gut« und »schlecht« lösen sich auf, womit sich auch die Gretchenfrage des Dialektikers Teddy Adorno erledigt hätte. Nach dem Motto: »Ein richtiges Leben im Falschen? Ist uns doch egal.« Nichts für den:

eindimensionalen Menschen.

Das gleichnamige Werk des führerscheinlosen Philosophen Herbert Marcuse hat viele inspiriert, die 1968 die Welt verändern wollten. Die Revoluzzer von einst sitzen heute in den Chefetagen von Politik, Wirtschaft und Kultur. Wer von einer Zukunft in der »Kulturindustrie« träumt, sollte deshalb beim Bewerbungsgespräch immer einen Marcuse-Joker im Ärmel haben:

»Ich finde, der Kunst wohnt irgendwie ein ganz eigenes subversives Potential inne…«
Oder, etwas poppiger, mit Blumfeld gesungen:
»Für was mir fehlt schreib ich ein Lied!«
Ja, ja, der gute, alte:

Verblendungszusammenhang.

Geld ist eine Droge und ihr seid alle drauf…. Die Natur, die Menschen, ihre Sinnlichkeit, alles verschwimmt im Schein von Mehrwert und Produktion. An den Schein haben wir uns so gewöhnt, dass wir ohne Werbung nicht mehr wissen, was wir wollen. Bestens damit arrangiert hat sich:

der King!

Natürlich nicht Elvis, sondern Rocko Schamoni. Einst Dorf-Punk heute Alt-Punk, zelebriert er seit Jahren überaffirmativ in glamourösen Shows den Gedanken der Pop-Linken. Der da besagt, dass eher durch Taten und Spektakel als durch Gremienarbeit was zu verändern sei. Was das noch mit Politik zu tun hat? Hm. Vielleicht weiß es ja Pop-Theoretiker Roger Behrens:
“Schamoni, der sagt halt, man müsse das Böse in den Verhältnissen wegschmusen. So. und jetzt kann man natürlich sagen, klar, das ist politisch.” Nichts genaues weiß man nicht, schließlich leben wir heute ja auch:

im Empire.

Die revolutionäre Idee von Michael Hardt und Antonio Negri: Weltumspannende Vielheiten, die die so genannte »Multitude« bilden, um dann mit vereinten Kräften endlich den leidigen Kapitalimus abzuschaffen. Eher unbeliebt macht man sich in Empire-Lesegruppen allerdings mit Sätzen wie »Werdet doch mal konkret!«

Und ratlos zurück bleibt einzig das ICH.
Marx meint, das Sein bestimme das Bewusstsein. Vielleicht fragt Nietzsche da zurecht: »Warum immer ich?« Und Adorno mosert wie immer: »Bei vielen Menschen ist es bereits eine Unverschämtheit, wenn sich ich sagen.« Deleuze fordert: »Seid Vielheit!« Dabei sagen viele am liebsten: »Ich war es nicht!«

Aber wer will schon sein wie alle anderen? Verblendet in eindimensionalen Rhizomen umherirren? Radio Alice ist sicher: Wer weiß wovon gesprochen wird behält den Überblick. Doch nicht vergessen, alles nur Erklärungsmodelle. Erst vom eigenen Standpunkt macht Posen so richtig Spaß…

[Die offensichtlichsten Rechtschreibfehler korrigiert, sowie kleinere Änderungen an der Formatierung von mir; kuchen]

(via)

»Dialektik, die Kunst des Überzeugens«

Es kommen Kolchosenbauern zum Pfarrer: „Genosse Pfarrer, unser Parteisekretär spricht täglich von Dialektik. Was ist das?“
Der Pfarrer sagt: „Das ist nicht so einfach zu erklären. Ich erzähle Euch ein Beispiel: Es kommen zwei Genossen, der eine ist rein, der andere schmutzig. Ich biete ihnen ein Bad an. Welcher von beiden wird das Bad annehmen?“
Die Bauern sagen: „Der Schmutzige“.
Der Pfarrer sagt: „Nein, der Reine: denn der Reine ist gewohnt, zu baden, der Schmutzige legt keinen Wert daruf. Wer nimmt also das Bad?“
Nun sagen die Bauern: „Der Reine“.
„Nein,“ sagt der Pfarrer, „der Schmutzige, denn er bedarf das Bades. Also, wer nimmt das Bad an?“
Jetzt sagen die Bauern verdutzt: „der Schmutzige“.
„Nein, alle beide; denn der Reine ist gewohnt zu baden, und der Schmutzige bedarf des Bades. Wer nimmt als das Bad an?“
Die Bauern sagen verwundert: „alle beide“.
„Nein, keiner von Beiden; denn der Schmutzige ist nicht gewohnt zu baden, und der Reine bedarf des Bades nicht“.
„Aber Genosse Pfarrer, was soll das heissen? Jedesmal sagst Du etwas anderes, und jedesmal drehst Du es so, wie es Dir passt.“
„Ja“, sagt der Pfarrer, „das ist eben Dialektik“.

(via)

Großartig!


(via)

Elitäre Verblödung (II)

Also manchmal, vor allem wenn ich Texte von selbsternannten Liberalen lese, bin ich doch geneigt zu fragen, ob das insistieren der GSP-Jünger auf die Reinheit des wahren Arguments nicht doch irgendwo seine Berechtigung hat.
So lese ich gerade einen Text eines gewissen Bernd Hoenig, der wohl versucht den Unterschied zwischen einer sich als frei sehenden Person im (real-existierenden) Sozialismus und einer sich als frei sehenden Person in der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft darzustellen bzw. viel eher diesen Unterschied zu konstruieren. Das beginnt dann direkt mit einem recht interessanten Ausschlussverfahren:

Ob der Mensch frei geboren sei oder einem umfassenden Determinismus unterworfen, wollen wir getrost der Neurologie, der Psychologie und der Theologie überlassen.

In Dem Zusammenhang wohl die relevante Frage, aber nun gut. Warum er die Frage allerdings der Neurologie, Psychologie oder Theologie überlassen will, dann aber direkt 2 Absätze später Küchentischpsychologie par excellence heraushat, bleibt mir ein Rätsel:

Wenn man einen treuen Staatsbürger auf der östlichen Seite des Eisernen Vorhangs befragte, ob er sich frei fühle, dann antwortete dieser, mit einer gewissen Renitenz, denn als aufgeweckter Zeitgenosse spürte er trotz seiner Loyalität die Unaufrichtigkeit seiner Antwort, dass er sich natürlich frei fühle, obwohl er es in seinem totalitären System nicht war.

Gibts da auch noch eine Erklärung, warum dieser aufgeweckte Zeitgenosse sich der Unaufrichtigkeit seiner Antwort bewusst ist oder nimmt man das nur apriori an, damit die „Argumentation“ überhaupt irgendeinen Sinn ergibt und nicht von vornherein in sich zusammenbricht?

Damit man dann auch direkt sieht, woher der Wind weht, muss natürlich noch das Steckenpferd des Liberalen ausgepackt werden, der Antikommunismus (welcher scheinbar sowieso den einzigen Sinn des Textes darstellt):

Die ersten sozialen Revolutionäre, die die Masse des Volkes auf dem Wege zur Macht mitreißen konnten, waren tragischerweise die Nationalsozialisten, die die jungen, zaghaften demokratischen Freiheiten schnell und erbarmungslos einkassierten. Das Feindbild, dass sie mit den Kommunisten, ihren Brüdern im Geiste, teilen, weist vor allem vier Konstanten auf: die Juden, Amerika, Demokratie und Freiheit.

Wobei ich mich immernoch frage, ob das nicht eher in die Kategorie „dummdeutsches Rumgeweine und Opfergepose“ fällt. „Keiner mag Deutschland, dabei haben die das doch auch gemacht…wääääääh *mit dem Finger zeig*“

Und genau in dem Moment, wo man noch Hoffnung hat, dass doch jetzt tatsächlich die Argumente kommen…huch…da ist der Text auch schon wieder vorbei. Kein Wort darüber, warum denn jetzt „der Ossi“ lügt, kein Wort darüber, warum „der Wessi“ jetzt wirklich frei ist…nichts. Natürlich wird im letzten Absatz nochmal die ganze Palette an liberalem Blabla abgespult: Staatsfetisch, Gleichheitsgefasel, zivilisatorische Errungenschaften, die es zu verteidigen gilt gegen allerlei Links-, Rechts-, Mitte-, Oben- und Untenradikale etc. pp.. Langsam verstehe ich auch, warum so viele Antideutsche auf die liberale Schiene abdriften: Da ist die Welt noch so richtig einfach.

»Gotta catch ‚em all!«


(via)

Oh man…

Eine amerikanische Lehrerin hatte einem ihrer Schüler selbstgebrannte CDs abgenommen. Auf den CDs hatte er das Betriebssystem Linux gebrannt, um es kostenlos zu verteilen. Nach Ansicht der Lehrerin konnte dies aber nicht sein, denn kein Unternehmen würde ihrer Ansicht nach etwas kostenlos bereitstellen. Sie ließ sich schließlich dazu hinreißen einen Brief an die Herstellerfirma zu schreiben, in der sie rechtliche Schritte gegen diese unlautere Praxis androhte.

(via)
Ohne Worte.

Elitäre Verblödung…

Student_in 1: Ich war heute bei Veranstaltung X bei Dozent Y, ist komplett in Englisch.
Student_in 2: Ich war letztes Semester auch in einer englischsprachigen Veranstaltung, der Seminartitel war aber in Deutsch. Find ich voll doof.
Student_in 1: Wieso?
Student_in 2: Naja, wenn ich mich nach meinem Studium irgendwo bewerbe, sieht mein Arbeitgeber ja gar nicht, dass die Veranstaltung in Englisch war.
Student_in 1: Oh, stimmt.

Man darf jetzt raten, welchen Studiengang die beiden belegen. Kleiner Tipp: Das Klischee trifft zu.

Klassiker des real-existierenden Sozialismus

Ein kleineres Schätzchen gerade bei ebay erworben, warum genau, weiß ich auch nicht so recht, aber es klang irgendwie zu verlockend und dank nahender Weihnachtszeit hab ich scheinbar zu viel Geld:

Im Einzelnen werden folgende Bücher angeboten:

Karl Marx

1. Marx – Das Kapital 1. Band – 955 – F – 1969
2. Marx – Das Kapital 2. Band – 559 – F – 1963

Friedrich Engels

3. Engels – Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft ( „Anti-Dühring“ ) – 346 – F – 1978

Marx / Engels

4. Marx / Engels – Ausgewählte Briefe – 639 – F – 1953
5. Marx / Engels – Ausgewählte Schriften Band II – 500 – F – ? (Gebrauchsspuren)
6. Marx / Engels – Die deutsche Ideologie – 694 – FS – 1960
7. Marx / Engels – Manifest der Kommunistischen Partei – 108 – P – 1970

Wladimir I. Lenin

8. Lenin – Ausgewählte Werke Band in zwei Bänden Band 1 – 919 – F – 1955
9. Lenin – Ausgewählte Werke in sechs Bänden Band 4 – 845 – FS – 1972
10. Lenin – Ausgewählte Werke in sechs Bänden Band 5 –782 – FS – 1972
11. Lenin – Ausgewählte Werke in sechs Bänden Band 6 – 748 – FS – 1972
12. Lenin – Ausgewählte Werke in sechs Bänden Register – 222 – FS – 1983
13. Lenin – Über Krieg, Armee und Militärwissenschaft II – 470 – F – ? (Gebrauchsspuren)

J. W. Stalin

14. Stalin – Werke Band 1 1901 – 1907 – 372 – F – 1952 (Gebrauchsspuren)
15. Stalin – Werke Band 2 1907 – 1913 – 387 – F – 1952 (Gebrauchsspuren) (Einband defekt)
16. Stalin – Werke Band 4 1917 – 1920 – 421 – F – 1951 (Gebrauchsspuren) (Einband defekt)
17. Stalin – Werke Band 5 1921 – 1923 – 391 – F – 1952 (Gebrauchsspuren) (Einband defekt)
18. Stalin – Werke Band 6 1924 – 384 – F – 1952 (Gebrauchsspuren)
19. Stalin – Werke Band 7 1925 – 368 – F – 1951 (Gebrauchsspuren)
20. Stalin – Werke Band 8 1926 Januar bis November – 363 – F – 1952 (Gebrauchsspuren)

sonstige

21. Autorenkollektiv – Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung Band 5 Januar 1933 bis Mai 1945 – 664 – F – 1966
22. Autorenkollektiv – Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung Band 1 Anfänge bis Ausgang 19. Jhd. – 699 – F – 1966
23. Autorenkollektiv – Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung Band 2 Ausgang 19. Jhd. bis 1917– 527 – F – 1966
24. Autorenkollektiv – Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung Band 6 Mai 1945 bis 1949 – 569 – F – 1966
25. Autorenkollektiv – Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung Kapitel 4 Ausgang 19. Jhd. bis 1914 – 214 – P – 1967
26. Autorenkollektiv – Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung Kapitel 1 Anfänge bis 1849 – 175 – P – 1966
27. Autorenkollektiv – Geschichte der marxistischen Dialektik Von der Entstehung des Marxismus bis zur Leninschen Etappe – 487 – FS – 1975
28. Autorenkollektiv – Kleines politisches Wörterbuch – 1015 – FS – 1973
29. Autorenkollektiv – Politisches Grundwissen – 585 – F – 1972
30. Autorenkollektiv – Revolutionäre deutsche Parteiprogramme – 342 – P
31. Haustein, Heinz-Dieter – Prognoseverfahren in der sozialistischen Wirtschaft – 384 – FS – 1970
Klaus, Georg / Behr, Manfred – Philosophisches Wörterbuch – 634 – F – 1965

Für 10,50€ + Versand die Klassiker des real-existierenden Sozialismus…ein Schnäppchen. :D

»Wir asphaltieren und betonieren den Dancefloor«

Auch wenn das ausser mir vermutlich jeder schon kannte, aber wie geil ist bitte der „Kommunizieren Asphaltmix“ von Frittenbude? Nichts gegen das Original von Plemo and Rampue, aber der haut das einfach mal ordentlich in die Pfanne (wie irgendwie die meisten Remixes von Frittenbude :o ):

[audio:Plemo_and_Rampue_Kommunizieren__FrittenbudeAsphaltmix.mp3]
(Download)

Spaß mit Kot

Was ist denn der Ekel? Eine Schutzreaktion, die wir in uns entwickeln, um den Forderungen der Zivilisation Genüge leisten zu können. Das Kind hat z.B. ursprünglich gegen seine Exkremente gar keine Abneigung, es spielt gerne mit ihnen. (Hier hat sogar wahrscheinlich die bildende Kunst eine ihrer Wurzeln.) Die Erziehung zur Zivilisation ist aber die zur Reinlichkeit. Das Kind spielt mit Schokolade, es macht sich schmutzig; es spielt mit Sand und macht daraus Figuren. Durch viele Stufen hindurch entwickelt sich gegen den verbotenen Gegenstand eine übermäßige Abneigung, die wir Ekel nennen. […] Dazu kommt, daß das Verbotene in den Phantasien des Kindes wiederkehrt, ebenso wie in den Phantasien des Erwachsenen. […] Genau wie wir, die schlechten Gerüche nicht mögen, aber wenn wir nicht gänzlich verdorben sind, doch in einer gewissen Weise die schlechten Gerüche wieder zulassen, wie etwa beim Blumenkohl oder Käse. Es gibt viele Gerüche, die sozusagen nicht ‚gentleman-like‘ sind, die aber akzeptiert werden, weil da instinktmäßig etwas Positives für sie geblieben ist.1

Interessant, interessant. Und was sagt mir das jetzt als Mensch mit einer starken Aversion gegen jegliche riechenden Käsesorten. Zu stark ausgeprägte/unterdrückte anale Phase?
Fragen, die die Welt bedeuten.

  1. Horkheimer, Max (1963): Persönlichkeit und Vorurteil. In: Karsten, Anitra (Hg.): Vorurteil. Ergebnisse psychologischer und sozialpsychologischer Forschung. Darmstadt 1978, S.247-260. [zurück]

Was nicht alles als politisches Engagement gilt

Gerade die unterschiedlichen Migrationshintergründe der Montrealer machen sie aufgeschlossen und kontaktfreudig – das weiß Christina aus eigener Erfahrung: In Outremont und Mount Royal hat sie viele Leute kennengelernt. Besonders die direkte und offene Art der dortigen Concordia-Studenten gefällt ihr. Concordia ist die andere englischsprachige Universität in Montreal. Ihre Studenten sorgen durch politisches Engagement regelmäßig für Aufsehen. Arabische Hochschüler haben beispielsweise einmal so lange gegen den Besuch des ehemaligen israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu demonstriert, dass die Hochschulverwaltung dessen öffentliche Rede auf dem Campus letztlich absagen lies.1

„Aufgeschlossen und kontaktfreudig“ gegen Israel…yay!

  1. Frankfurter Allgemeine: hochschulanzeiger, Ausgabe 99, S.107 [zurück]

So ist das also…

Schon etwas älter, aber jetzt gerade gelesen:

Hätten damals unter Hitler viele Menschen die Zivilcourage besessen, die ich mit meinem Buch „Der gebrauchte Mann“ an den Tag gelegt habe, um gegen schweres Unrecht an einer Bevölkerungsgruppe zu protestieren und öffentlich dagegen aufzustehen, wäre unendlich viel und unsäglich grausames Leid verhindert worden.1

Merke: Holocaust und ein paar Männer, die ihre Kinder nichtmehr sehen dürfen (und umgekehrt), sind das gleiche.

  1. http://karin-jaeckel.de/offenebriefe/konkret.html als Antwort auf: Konkret, Heft 02/2004, Magnus Klaue: „Men’s Health“ [zurück]